{"id":1539,"date":"2019-06-19T14:49:24","date_gmt":"2019-06-19T12:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/2019.projectspacefestival-berlin.com\/?p=1539"},"modified":"2019-06-30T22:16:19","modified_gmt":"2019-06-30T20:16:19","slug":"newtechnologyofart-natalyaserkova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2019.projectspacefestival-berlin.com\/de\/newtechnologyofart-natalyaserkova\/","title":{"rendered":"Ein paar Worte zur neuen Technologie der Kunst"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-1539\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-1539-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-1539-0-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-1539-0-1\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-mobile-last\" ><div id=\"panel-1539-0-1-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-1539-0-1-0\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\">\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p>Kunst wandert zunehmend ins Internet ab. K\u00fcnstler*innen machen zwar noch physische Objekte und Galerist*innen er\u00f6ffnen materielle Ausstellungen, schlussendlich denken jedoch immer mehr Leute in dieser Industrie nicht mehr nur an die physischen Eigenschaften ihrer Arbeiten, sondern genauso an ihre Fotodokumentation. Heutzutage kommt es tats\u00e4chlich darauf an, wie erfolgreich Bilder online verbreitet werden. Diese Herangehensweise wird h\u00e4ufig kritisiert: Kunst, die im Internet angeschaut wird, \u00e4hnelt bl\u00f6den YouTube Videos; sie kann nicht durchdacht und tiefsinnig sein, da sie sofort gelesen werden k\u00f6nnen muss; solche Kunst ist wie ein s\u00fc\u00dfer Doughnut, der die Blicke\u201a williger Maschinen auf sich zieht und so weiter und so fort. F\u00fcr uns, die Repr\u00e4sentant*innen einer Gemeinschaft, die in die Produktion und Distribution von Kunst online involviert sind, ist es daher notwendig, eine Antwort darauf zu finden, ob diese Kritik gerechtfertigt ist.<\/p>\n<p>Die Antwort mag und wird sehr wahrscheinlich lang ausfallen. Sie mag ebenso dutzende theoretische und kritische Texte einschlie\u00dfen, Diskussionsrunden und Interviews. Trotzdem ist es wichtig eines klarzustellen: Dieser etablierte, kritische Ansatz h\u00f6rt auf zu greifen, wenn sich die grundlegende <i>Technologie <\/i>von Kunst ver\u00e4ndert hat. Und tats\u00e4chlich f\u00e4llt es nicht besonders schwer, diesen radikalen Wandel in der Kunstindustrie zu erkennen.<\/p>\n<p>Kunst impliziert immer die Anwesenheit von K\u00fcnstler*innen und Betrachter*innen. Dieses Duo braucht jedoch auch noch einen dritten Akteur \u2013 eine*n Galerist*in oder eine*n Museumsmitarbeiter*in, die K\u00fcnstler*innen verifizieren und den Betrachtenden Zugang zu Kunst gew\u00e4hren. Der dritte Link in dieser Kette besitzt eine Art Wahrheit, die bestimmt, was Kunst ist und was nicht. Kunst, die von dieser Wahrheit eingefangen und als solche identifiziert wird (und dadurch \u00fcberhaupt erst zur Kunst wird) stoppt und erstarrt: Erst jetzt k\u00f6nnen Betrachter*innen sie an bestimmten, institutionell definierten Orten sehen und die dazugeh\u00f6rigen Kommentare lesen, wie sie gesehen werden sollte und welche Bedeutungen sie vermittelt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu ist Kunst, die vor allem produziert wird, um im Internet konsumiert zu werden, nicht mehr abh\u00e4ngig von der Verifizierung und der Aufrechterhaltung irgendeiner institutionellen Wahrheit. Jetzt kann ein K\u00fcnstler oder eine K\u00fcnstlerin (vielleicht Personen, die sich total willk\u00fcrlich K\u00fcnstler*innen nennen) ein Projekt machen und online hochladen: auf Archivierungswebeiten, auf Instagram oder Blogs. Das Internet wird hier zur verifizierenden Autorit\u00e4t, nur dass das Internet eine Technologie ist und als solche die zuvor beschriebene Wahrheit nicht automatisch innehat. Wenn Betrachter*innen sich einschalten, resultiert das in einer Peer-To-Peer Technologie, in der alle Beteiligten die gleiche Stellung haben: ein Blog, der Kunst zeigt und einem*r K\u00fcnstler*in geh\u00f6rt; ein*e K\u00fcnstler*in, der*die Kunst macht und einen Blog betreibt; nicht zuletzt ein*e Betrachter*in, der*die sich vielleicht morgen zum*r K\u00fcnstler*in erkl\u00e4rt (oder einen Blog macht) und sich mit einem neuen Status in das Netzwerk einklinkt.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass der Generalschl\u00fcssel zur Verifizierung von Kunst, der sich bisher allein in den H\u00e4nden solider Institutionen befand, durch die mobile, mutierte Wahrheit von Peer-To-Peer Kommunikationstechnologie ersetzt wird. Kunst beginnt dadurch in einem neuen Modus zu funktionieren, der automatisch mit neuen Arten und Weisen einhergeht, wie wir \u00fcber sie sprechen. Wir werden in Zukunft verstehen wollen, wieso sich diese brandneue Art von Kunst f\u00fcr die eine oder andere formale L\u00f6sung entscheidet, die eine oder andere k\u00fcnstlerische Sprache w\u00e4hlt und dies oder jenes Reflexionsfeld. Aber eine ganz simple Beobachtung geht dem voran: Dank dem Internet, ist Kunst nicht mehr das, was sie einmal war und anscheinend ist sie zu etwas geworden, das f\u00fcr uns alle ungewohnt ist.<\/p>\n<p>___________<\/p>\n<h6>Photo Credits:<\/h6>\n<h6>Vitaly Bezpalov, Death (not something to be worried about in real life) II, 2019. Klebeband, Coca Cola, Akrylfarbe, Lack, Schaumbrett, Band.<\/h6>\n<h6>Vitaly Bezpalov, Or, 2019. \u2028Drucke auf Glas, Coca Cola, Akrylfarbe, Ma\u00dfe variieren.<\/h6>\n<p>Text von:<\/p>\n<p>Natalya Serkova ist Philosophin und Kunsttheoretikerin, die in Moskau, Russland lebt. Sie ist Mitbegr\u00fcnderin von TZVETNIK, ein Projekt, das zeitgen\u00f6ssische Kunst aus der ganzen Welt erforscht und unterst\u00fctzt. Sie schreibt u.a. f\u00fcr das Moscow Art Magazine, e-flux journal undRevistaArta, isthisit?.<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pgc-1539-0-2\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunst wandert zunehmend ins Internet ab. K\u00fcnstler*innen machen zwar noch physische Objekte und Galerist*innen er\u00f6ffnen materielle Ausstellungen, schlussendlich denken jedoch immer mehr Leute in dieser Industrie nicht mehr nur an die physischen Eigenschaften ihrer Arbeiten, sondern genauso an ihre Fotodokumentation. 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